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Montag, 19. Mai 2014

Methoden für Eltern?

Warum und warum nicht

Die Kunst der Elternschaft war schon immer schwierig und manchmal emotional erschütternd. Vor 60 Jahren, als ich geboren wurde, hatten Eltern im Außen eine wichtige Quelle der Unterstützung – d.h. einen kohärenten, moralischen Konsens in der Gesellschaft. Es gab allgemeine und akzeptierte “Methoden” – alle nicht erfolgreich hinsichtlich der psychischen Gesundheit – allerdings höchst erfolgreich darin, die meisten Kinder ruhig zu stellen und Gehorsam zu machen, und somit den Anforderungen der industrialisierten Gesellschaft gerecht zu werden, die gehorsame, unterwürfige Arbeiter benötigte.
In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich die Bedingungen für Eltern radikaler verändert als je zuvor in unserer Geschichte: • Die Naturwissenschaft: im speziellen die Neurowissenschaft hat uns Unmengen neuer Informationen über Kinder, deren Fähigkeiten, Entwicklung sowie über deren psychologisches und existenzielles Wohlergehen geliefert. Die Wichtigkeit der Qualität der Kind-Eltern- Beziehung ist entdeckt worden und insbesondere die “Subjekt-Subjekt- Beziehung” ist in den Vordergrund gerückt worden. Systemtheorie wird als die umfassendste Theorie erkannt, wenn es darum geht Familienkonflikte als auch individuelle Schmerzen zu analysieren und zu heilen. • Das Bündel von gemeinsamen Werten gibt es nicht mehr und das wiederum bedeutet, dass Eltern viel Unterstützung von außen verloren haben. Die Pädagogik hat versucht das zu kompensieren, da aber die Natur der professionellen Pädagogik und private Kindererziehung fundamental unterschiedlich sind, war sie nicht erfolgreich. Heutige Eltern stehen der immensen Aufgabe gegenüber “Eltern von innen” zu werden und als Team zu funktionieren. In der Folge fühlen sich junge Eltern unsicher und der Schrei nach Methoden und deren Verfügbarkeit ist vollkommen verständlich. Damit wird die erste wichtige Frage gestellt: Sind diese Methoden dazu da, die Unsicherheit der Eltern zu beschwichtigen oder den Kindern zu einer gesunden Kindheit zu verhelfen?
Innerhalb dieser Zeit haben skandinavische Kinder angefangen ca. 26.000 Stunden ihrer Kindheit in gesetzlich vorgeschriebenen pädagogischen Institutionen zu verbringen. Diese Institutionen sind professionell und müssen deshalb Theorien als auch zahlreiche, unterschiedliche Methodologien entwickeln zum Zwecke unterschiedlicher Lernaufgaben. Ihre Methodologie hinsichtlich der persönlichen und sozialen Entwicklung eines jeden Kindes, als auch die Gruppe als solche zu führen, basiert immer noch primär auf Regeln und Vorschriften, und das Ziel ist in den meisten Fällen Gehorsam und das Nicht-Vorhandensein von Konflikten. Die langfristigen Folgen dieser Umgangsweise müssen noch untersucht werden. Die meisten Methoden zur Elternweiterbildung, die im Moment auf dem Markt sind, basieren auf Verhaltenspsychologie und Regulierung des Verhaltens, positive Verstärkung etc. sind die Hauptbestandteile. Die Experimente von Pavlov, die das gewünschte Verhalten bei Hunden hervorgerufen haben durch Belohnung mit Hundekuchen und Strafen mit Elektrizität, sind immer noch die Grundlage, auch wenn sie mittlerweile modernisiert und humanisiert worden sind, und eine weichere Terminologie entwickelt worden ist. Es ist – sozusagen – alter Wein in neuen Schläuchen – d.h. der Nährwert ist nicht verbessert worden. Meine Einwände zu diesen Methoden können wie folgt zusammengefasst werden: 1. Wenn man zwischen Eltern und dem Kind eine Methode installiert, schafft man eine Subjekt-Objekt-Beziehung zwischen ihnen, wobei das Kind das Objekt ist. Wissenschaftler wie Daniel N. Stern zusammen mit einem Großteil der führenden Neurobiologen und Neuropsychologen sagen uns, dass die Subjekt-Objekt-Beziehung weit davon entfernt ist, optimal zu sein für das Wohlergehen als auch die Entwicklung des Kindes, der Eltern und deren Beziehung. Mehr als fünfzig Jahre klinischer Erfahrung in der Familientherapie sagen uns das Gleiche. 2. Das Ziel der Methoden ist ein Verhalten im Kind zu produzieren, das Eltern als “gut” definieren. Unerwünschtes Verhalten kann ohne Hindernisse eliminiert werden – was entgegengesetzt ist zu 99% der Ergebnisse unserer Forschungen und unserer Arbeit mit Familien mit Problemen, das uns sagt, dass sehr beunruhigendes und/oder zerstörerisches Verhalten nur Symptome eines dysfunktionalen Systems darstellen. Das Ziel der Eltern ist sehr ähnlich dem von vor 60 Jahren: Gehorsam und das Nicht- Vorhandensein von Konflikten. Der Hauptunterschied besteht darin, dass an Stelle von physischen und psychologischen Missbrauch eine gewaltige Manipulation stattfindet. Dieser Prozess verletzt die emotionale und existenzielle Integrität der Kinder. 3. Wir wissen aus Erfahrung, dass je mehr man die Integrität von Menschen verletzt, desto mehr wird sich dieser Mensch den Ansprüchen und Erwartungen anpassen – das bedeutet wiederum, dass diese Methoden höchstwahrscheinlich “erfolgreich” sind – sowie Gewalt vor einer Generation. Viele dieser Methoden behaupten wissenschaftlich belegt zu sein. Wenn man sich die Studien ansieht, die diesen Nachweis erbringen, wird man häufig feststellen, dass sie eine schwache wissenschaftliche Qualität haben, d.h. sie werden von “Überzeugten” durchgeführt und deren so genannter Erfolg ist kurzfristig danach ermittelt: Ob das unerwünschte Verhalten verschwunden ist? Ich möchte einmal eine unabhängige Untersuchung entdecken, die die langfristigen Auswirkungen auf die Lebensqualität, die Qualität der Beziehungen (sowohl auf einer sozialen als auch persönlichen Ebene) und die Qualität der Elternschaft untersucht, wenn die Kinder das Alter von 45 erreicht haben. Das Verlangen nach „Nachweis-basierten“ Methoden ist hauptsächlich politischer Natur. Das gesamt Feld der Elternschaft und der Pädagogik ist im Moment so chaotisch, dass Politiker (als auch Fachleute) der Versuchung unterliegen Beruhigung und ein Alibi in der “Wissenschaft” zu finden. „Nachweis-basiert“ ist mittlerweile das Gleiche wie “gut” oder “richtig” – das wird nicht in Frage gestellt! Das Problem für alternative Ansätze, die auf Erfahrung und wissenschaftsübergreifenden Erkenntnissen beruhen ist, dass sie sich weigern simplifizierte Methoden zu produzieren, die einfach “bewiesen” werden können Ich verstehe, dass Eltern, die sich verloren und unsicher fühlen, Sicherheit in diesen einfachen (im jeden Sinn dieses Wortes) Methoden suchen. Ich verstehe auch weshalb die Politiker und Behördenleiter es wesentlich einfacher finden, diese Konzepte zu kaufen. Was ich nicht verstehe ist, dass Fachleute, die es besser wissen oder besser wissen sollten, diese Konzepte beklatschen und vermarkten die nur die Symptome verschieben anstatt die auf Liebe-basierten Beziehungen innerhalb der Familie zu stärken und zu entwickeln?

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