In Kooperation mit Nicole Daenzer

Nicole Daenzer hat gemeinsam mit dem Netzwerk familylab.ch die Qualität von Kitas neu definiert und bietet entsprechende Schulungen an. Sie ist selber familylab Seminarleiterin und familylab Beraterin. Seit Sommer 2018 ist Nicole Daenzer Kooperationspartnerin von familylab.ch und leitet den Bereich “Kita mit Sinn”.

Warum ein Label Frau Nicole Daenzer?
Die mehrheitlich quantitativen Qualitätskriterien von Kindertagesstätten berücksichtigen die grössten Herausforderungen im Kita-Alltag und im Dialog mit Eltern nur begrenzt oder gar nicht. Wir sind überzeugt, dass nur eine Atmosphäre und eine Ermutigungskultur von Vertrauen und Wertschätzung sowie gegenseitiger Akzeptanz zielführend sind. Die fehlerfreundliche Kultur gibt Sicherheit und Halt. Sie hilft, sich auch in schwierigen Situationen zurecht zu finden und sich und das Team zu reflektieren. Denn so, wie jede und jeder Erwachsene in der Kita mit sich und mit seinen Mitmenschen umgeht, prägt er oder sie die Atmosphäre und das Klima. Wir sind Vorbilder für die Kinder, wie wir mit Konflikten oder mit schwierigen Gefühlen umgehen.

Wie wird Qualität definiert?
Kleinster gemeinsamer Nenner des Labels sind die bestehenden Richtlinien für Kindertagesstätten in Bezug auf Räumlichkeiten oder den Personalschlüssel. Weiterführende Kriterien sind die Bereitschaft und der Wille sich wirklich einzulassen und sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Mit dem Qualitätslabel wird gleich in mehrfacher Hinsicht ein Paradigmawechsel vollzogen: in der Weiterbildung und in der Qualitätsbeurteilung von Kitas. Paradigmawechsel bedeutet, alte Verhaltensregeln, Normen und Werte, welche uns jahrzehntelang Sicherheit gegeben haben, loszulassen. Wir können keine Sicherheit mehr erlangen über konditionierte Regeln, festgefahrene Strukturen und das Verlangen von Gehorsam. Wir sind aufgefordert, in Beziehungen zu treten, authentisch und integer. Das beginnt bei uns selber.

Was heisst das für das Kind, für die Eltern?
Der Paradigmawechsel geht weg vom Gehorsam hin zur Eigenverantwortung. Die Schulungen im Rahmen der Labelvergabe setzen auf Gleichwürdigkeit, auf den Dialog zwischen Erwachsenen und Kindern, Erziehenden, Eltern und Mitarbeitenden. So wird niemand zum Objekt gemacht, also aufgrund seiner Leistungen oder Handlungen bewertet oder verurteilt. Dies ist die Voraussetzung zum Dialog. Erzieherinnen und Erzieher werden heute mehr und mehr zum Sparring-Partner für Eltern. So teilen sich verschiedene Erwachsene mit einer regelmässigen Beziehung zu einem Kind die Verantwortung für dessen geistige und psychosoziale Entwicklung. Die Qualität der Beziehung zu Eltern ist bedeutend. Die Kunst, konstruktive Dialoge zu leiten, ist matchentscheidend.

Wie zeigt sich das im Team?
Für die Mitglieder des Teams heisst das: Ich muss über mein eigenes Verhalten und meine Denkmuster Bescheid wissen. Ich muss mir über mein Menschenbild und Weltbild bewusst werden. Integraler Bestandteil des Labels ist eine zweijährige modulare Weiterbildung, an welcher das gesamte Kita-Team teilnimmt. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung der Beziehungs- und Führungskompetenzen sowie der Dialog- und Empathiefähigkeit. Die Module sind: Führungs- und Beziehungskompetenz für Fachpersonal. Für das gesamte Kita-Team: Umsetzung der vier Grundwerte nach Jesper Juul im Kita-Alltag, Umgang mit Aggression, Dialog mit Eltern und kollegiale Reflexion.

«Beziehungskompetenz schafft Atmosphäre und Qualität.»