Jesper Juul

Jesper Juul, 1948 in Dänemark geboren und am 25. Juli 2019 in Dänemark gestorben, war Lehrer, Paar-, Gruppen- und Familientherapeut, Konfliktberater und Buchautor.

Nach seiner Lehrerausbildung mit den Spezialgebieten Geschichte und Religionspädagogik schloss er 1972 sein Studium der europäischen Geistesgeschichte ab.

“Das Schlüsselwort heißt Beziehung. Ihre Qualität entscheidet über unser Wohlbefinden und unsere Entwicklung als Mensch. Kinder werden mit allen wesentlichen menschlichen Qualitäten geboren und haben daher auch dieselbe Verletzlichkeit und Überlebensfähigkeit wie Erwachsene. Eltern zu sein bedeutet, eine Rolle im Leben einzunehmen, die uns vor große Herausforderungen stellt.”

Jesper Juul

Statt die Lehrerlaufbahn einzuschlagen, nahm er eine Stelle als Heimerzieher und später als Sozialarbeiter an und bildete sich in Holland und den USA bei Walter Kempler zum Familientherapeuten weiter. 1979 gründete er das „Kempler Institute of Scandinavia“ in Odder, nahe Aarhus, das er bis 2004 leitete.

Kempler gehörte zu denjenigen Mitarbeitern von Fritz Perls, die die Gestalttherapie seit Mitte der siebziger Jahre nach Europa brachten. Walter Kempler entwickelte daraus eine eigenständige Therapie- und Beratungsform, nach welcher sich Jesper Juul orientierte. Kurzzeitinterventionen mit der ganzen Familie, erlebnisorientiert und praxisnah. Ziel der Arbeit ist es, die Eltern und Fachpersonen in ihrer Führungs- und Beziehungskompetenz zu stärken.

Jesper Juul ist Autor von mehr als 30 Büchern, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Als sein Standardwerk gilt „Dein kompetente Kind”. Die Erweiterung dazu ist das Buch „Die kompetente Familie”, welches im Juli 2007 erschien. Für Lehrpersonen und Pädagogen ist erschienen „Vom Gehorsam zur Verantwortung”. Sein Buch „Was Familien trägt”, gehört zu den Bestsellern im Kösel-Verlag 2006.

2004 gründete Jesper Juul das familylab International, welches bis 2012 von ihm geleitet wurde. Es existieren mittlerweile selbständige familylabs auf der ganzen Welt, welche Fachpersonen und Eltern in den Werten von Jesper Juul weiterbilden. Diese familylab Seminarleiter und Seminarleiterinnen bieten Vorträge, Workshops und Seminare für Eltern/Großeltern, für Fachleute im Bereich Pädagogik/Psychologie sowie für Kindergärten, Schulen und Unternehmen an.

2012 erkrankte Jesper Juul schwer und er konnte nicht mehr reisen und Seminare halten. Die selbständigen “familylab Länder” haben mit dem Einverständnis von Jesper Juul eine Familylab Association gegründet mit dem Ziel, dass die Werte von Jesper Juul auch in Zukunft weitergetragen werden. Jesper Juul war lange ein wichtiger Supervisor und Berater für die einzelnen familylab Ländervertretungen.

Jesper Juul war zweimal verheiratet und zweimal geschieden. Er hinterlässt einen erwachsenen Sohn aus erster Ehe und zwei Enkelkinder.

 

Jesper Juul über familylab

Ich glaube nicht an Konzepte à la „How to manage your teenager in five easy lessons“, aber ich glaube, wir können Eltern eine Menge Inspiration und Begleitung anbieten – ausgehend davon, wer sie sind, und was sie mit ihrer Familie und den aktuellen Konflikten, mit denen sie gerade jetzt leben, erreichen möchten.

Deswegen habe ich die Bezeichnung „Familienlabor“ ausgewählt. Es ist also keine Schule, sondern eher ein Laboratorium, wo man finden, wieder finden, erfinden und mit seiner eigenen Art und Weise, seine Familie zu entwickeln, experimentieren kann.

»Viele junge Eltern sehen heute ihre Elternschaft als eine völlig neue Möglichkeit zu persönlichem Wachstum an. Diese Vorstellung verändert dramatisch die Beziehung zu ihrem Kind. – Ich kenne kein Kind das jemals einen Machtkampf begonnen hat, immer wurde der von Erwachsenen ausgelöst.«  Jesper Juul

Es gilt für jede Familie, dass Liebe nicht ausreicht, um die Entwicklung und das Wohlbefinden der Mitglieder zu sichern. Wir müssen lernen, unsere liebevollen Gefühle in liebevolle Handlungen zu verwandeln, und das müssen wir vor allem mit und voneinander lernen.

 

Ein paar Worte zur Schule von Jesper Juul

In Anbetracht der Situation, dass pädagogische Arbeit in den letzten 25 Jahren eine sehr komplexe professionelle Aufgabe geworden ist, sind wir der Meinung, dass jede Fachperson, die mit Kindern, Jugendlichen und deren Eltern zu tun hat, mit hohem qualitativen Input und Training „verwöhnt“ werden sollte.

Mehr als 80% der mit dem Thema Lernen, Lehren und Führung befassten wissenschaftlichen Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Lehrende und andere Fachleute an Schulen folgende vier  Kompetenzen benötigen:

Die akademische Kompetenz, die sich auf die Lehrinhalten bezieht.Die didaktische Kompetenz, die sich auf die Planung, Durchführung und Nachbereitung der Lehrinhalte bezieht.Die auf Regeln basierende Führungsrolle, die sich auf die Regulierung der Lernumgebung bezieht.Die Beziehungskompetenz, die sich auf die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen auf allen Ebenen bezieht.

Aus unserer Erfahrung aus mehr als 35 Jahren Arbeit mit und an Schulen mit unterschiedlichsten Strukturen und Philosophien hat sich erwiesen, dass die Beziehungskompetenz die größte Bedeutung hat. Tatsächlich ist es diese entscheidende Kompetenz, die es Lehrpersonen ermöglicht, ihre anderen Kompetenzen einzusetzen, um die Forderungen und Erwartungen von Verwaltung und Politik, von SchülerInnen und Eltern zu erfüllen. Noch wichtiger ist diese Kompetenz, weil sie es Lehrenden ermöglicht, Freude an ihrer Arbeit zu haben und auf die Bedürfnisse jedes Kindes in einer freundlichen Art und Weise einzugehen.

Die Titel, Inhalte und unterschiedlichen Arten des Lernens in den angebotenen Seminaren sind auf diese Erfahrungen hin ausgerichtet, sowie auf die Anforderungen Ihrer Gemeinde. Wir streben keinesfalls an, Sie an irgendeine spezielle Philosophie oder Ideologie anzupassen, sondern wir wollen Lernprozesse anregen, die dazu beitragen, dass jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin seine oder ihre Einsichten und Beziehungsfertigkeiten voll entwickelt.

Unsere SeminarleiterInnen und SupervisorInnen haben viel praktische Erfahrung in einer Reihe von Berufsfeldern und sie alle haben den Wunsch, gleichwürdige Lernprozesse mit Ihnen aufzubauen.

Viel Spass! Jesper Juul, Gründer familylab International